Dem Ruf des Herzens und der Lebenslust folgen !

 

Die Wunschreise
Eine Ich-Geschichte zum Mitreisen.

Ich wache morgens auf und weiß mal wieder nicht, welcher Tag es ist.
Üblicherweise fällt es mir dann gleich ein, aber heute ist das irgendwie anders. Ich weiß es nicht.
Ich beschließe, dass es mir egal ist, schließlich sind ja Ferien.
Immerhin das fällt mir ein.
Völlig schlaftrunken räkele ich mich aus dem Bett und schaue an mir herunter:
Huch, ich habe in Kleidung geschlafen?
Ich rieche an meinem Ärmel. Erdbeergeruch? Woher der wohl kommt?
Ich fahre mir durch die Haare und es bleiben goldenen Lametta-Fäden daran hängen. Hhm.
Ich kann mich nicht erinnern, wo ich gestern war.
Auch das ist mir jetzt egal.
Ich ziehe mir noch ein paar warme Sachen über, die in der Nähe des Bettes bereit liegen und gehe aus meinem Zimmer.

Huch, fast falle ich vor Überraschung rückwärts wieder in mein Zimmer zurück: Ich stehe mitten in einer Landschaft, die mir irgendwoher sehr sehr vertraut vorkommt.
Ich betrachte den Himmel, sehe die Farben, es sind ganz besondere Farben, die nicht üblicherweise am Himmel zu sehen sind....
Ich kräusle die Nase und rieche. Wundersame Düfte streichen an meiner Nase vorbei...
Dann trete ich hinein in diese Landschaft, fühle mit einer Hand den Boden, rieche auch daran...
Ich schaue in die Ferne und sehe verschiedenste Landschaftsformen und Pflanzen. Solche gibt es auf der Erde gar nicht... (ich habe ja schon vorhin aufgehört mich zu wundern.) Das fühlt sich einfach interessant und gut an, also gehe ich neugierig weiter.

Plötzlich höre ich hinter mir so ein Geräusch, das wie das Knistern einer Starkstromleitung klingt, wenn man diese hört. Ich höre ein „Hallo, ich freue mich dich in deiner Landschaft zu besuchen“. Ein Mann, dessen Alter ich nicht einschätzen kann, mit einer grünen Winterjacke, einer französischen Mütze, wie sie manche Leute in Paris tragen, und leuchtenden fast violetten Augen grinst mich an.

„Kennen wir uns?“ frage ich ihn, weil es mir so beigebracht wurde, nicht mit Fremden zu sprechen. Er lacht freundlich. „Nun, ich wurde hier hereingelassen, deshalb gehe ich davon aus, dass du einverstanden bist, mich zu treffen“.
Aha, ich nicke. Ich lausche kurz in mein Herz, ob es mir ein Signal gibt. Es fühlt sich freudig und unternehmungslustig an. Also brauche ich nicht misstrauisch zu sein.
Ich lache zurück.
Und frage ihn höflich: „Was gibt’s“?

Er lacht wieder fröhlich. „Ich bringe dir ein Weihnachtsgeschenk. Obwohl ich nicht der Weihnachtsmann bin. Aber der war einverstanden, dass ich das übernehme. Er meinte, ich kenne mich damit eh besser aus.“
Aha, er kennt also den Weihnachtsmann.
Ich kichere innerlich und fange an, diese absurde Situation zu genießen. Und bin irgendwie zu einem Abenteuer dabei aufgelegt und guter Laune, weil es sind ja schließlich Ferien...

„Also?“ sage ich, eine Augenbraue dabei hebend, „Wo ist es?“
„Du kannst es selber wählen“ sagt er.
„Ich verstehe nicht ganz....“
„Na, du kannst es selber wählen. Ich zeige dir nur, WIE wählen geht. Das ist mein Geschenk. Den Rest machst du selbst.“

Ich vergesse meinen Mund zu schließen den ich vor lauter Anstrengung, zu begreifen was er wohl meint, offen stehen lassen habe.

„Aber gehe umsichtig damit um“, sagt er warnend. Was du dir wünschst und dann wählst wird sich erfüllen!!! Und bestimmt nicht so wie du es dir vorstellst, sondern so, wie du es fühlst.“

Ich lege meine Stirn in Falten. Was meint er jetzt bloß damit?
Es erfüllt sich wie ich es fühle, nicht wie ich es mir vorstelle?
„Beispielsweise?“ höre ich mich ganz forsch und bestimmt sagen.

„Zum Beispiel du wünschst dir ein Wochenende zum Skifahren zu fahren.
Bei der Wahl musst du ein paar Grund-Spielregeln beachten: Du kannst NIE für andere Menschen mitwählen.
Also nimmst du jetzt die Gefühle, die du fühlen willst, wenn du so ein Wunschwochenende verbringen würdest. Du fühlst dich vielleicht frei, fühlst dich in der Natur vielleicht, indem du den Schnee riechst, fühlst, dass du Spaß hast, lecker isst, viel lachst, die Geschwindigkeit genießt, dich ausgeschlafen fühlst.
Wenn du wählen willst, erkläre ich dir gleich, was du dazu noch brauchst. Du musst dir nur bewusst sein, dass sich deine Gefühle erfüllen, nicht deine Vorstellungen.
Es kann also sein, dass du plötzlich oder in einem Jahr zu einem Bob-fahr-Nachmittag eingeladen wirst, bei dem du genau das fühlst, was du gewählt hast. Du hast weder einen Einfluss auf die anderen Menschen, die dabei sein könnten, noch auf den Zeitpunkt noch auf die Länge, die Dauer.
Aber du kannst jederzeit wieder wählen.
Deswegen gibt es auch keine richtige oder falsche Wahl. Weil du jederzeit neu wählen kannst.
Du musst dir nur darüber bewusst sein, dass es tatsächlich eintritt.“

Dabei macht er ein freundliches Gesicht. Ab und zu wächst ihm eine wunderschöne Pflanze mit tollen Blüten und verzauberndem Duft aus der Schulter oder der Hand. Die ganze Zeit umtanzen ihn Luftblasen, die ausschauen wie Seifenblasen, in denen das zu sehen ist, wo von er spricht: Schnee, Ausschlafen, Zeitpunkte. (Ja wirklich, Zeitpunkte! Ich hätte nie sagen könne, wie die wohl ausschauen, aber ich kann sie als solche erkennen!!!

Ich muss mal tief Durchatmen. Das klingt ja schon sehr verlockend. 1000 Sachen die ich gerne erleben würde gehen mir durch den Kopf.
„Aber wenn es mir dann nicht gefällt?“
„Du musst dir natürlich vertrauen, das ist die Grundlage!! Und es wird genau deinen Gefühlen entsprechen.“

Ich grübele herum. Merke, dass ich immer wieder über andere Menschen bestimmen wollen würde.
„Gar nicht so einfach was konkretes zu finden“, sage ich.

Der Mann sagt ganz freundlich: „Magst du es ausprobieren?“
Ich schaue ihm mutig in seine strahlenden Augen. „Ja, kann mir ja nichts passieren.“

„Kann nichts passieren. Du hast es völlig selbst in der Hand“ beruhigt er mich.

Er sagt in ruhigem Tonfall: „mache es dir an einer Stelle, die dir besonders gefällt, bequem. Schaue dich um, nehme das wahr, was du siehst (...) . Fühle noch mal den Boden (...) , rieche die Luft (...) Nehme etwas in die Hand, was in der Nähe ist und fühle es. Rieche daran. Macht es vielleicht ein Geräusch? Hier in deiner Landschaft ist alles möglich!!! (...)

Entscheide dich für eine Wahl, es kann ruhig erst mal was ganz Kleines sein, zum Üben.
Lege dir ein paar Gefühle zurecht, die du gleich wählen willst.“

Ich kann mich erst gar nicht entscheiden. Dann nehme ich einfach das Naheliegendste:
„Ich könnte wählen, dass dieses Jahr Weihnachten sich fröhlich, friedlich und lustig anfühlt und nicht wie sonst bei uns zu Hause voller Essens-Mithelfen-müsse-Stress, Streit und Geschenke-Neid.
Aber bestimme ich da nicht für meine Geschwister und Eltern mit?“

„Du wählst für dich. Was sie an diesem Tag fühlen ist ihr eigenes Business.“

Ich sage: „Ok, dann wähle ich, mich am Weihnachtstag fröhlich, beschwingt, reich beschenkt, lustig und friedlich zu fühlen.“

Der Mann nickt und lächelt. „Jetzt lasse vor dir eines der folgenden Symbole auftauchen: ein gleichseitiges Dreieck, ein Quadrat, ein Kreis oder eine Linie. Ganz egal welches, nimm das, was du als erstes siehst.“

Vor meinen geschlossenen Augen sehe ich einen Kreis.
„Nun schaue dir dieses Symbol an. Aus welchem Material ist es? Wenn du es anfasst, wie fühlt es sich an? Macht es Töne? Riecht es? Lasse dir Zeit, das zu fühlen“

Ich fühle, taste, höre und rieche den Kreis.

„Jetzt kannst du dich in oder vor das Symbol begeben. Wähle dass du diese Gefühle am Weihnachtstag fühlen willst. Du kannst das auch laut sagen: „Ich wähle, dass ich mich am Weihnachtstag fröhlich, beschwingt, reich beschenkt, lustig und friedlich fühle.“

Ich wiederhole laut den Satz. „Ich wähle das ich mich am Weihnachtstag fröhlich, beschwingt, reich beschenkt, lustig und friedlich fühle.“ Wow, das fühlt sich irgendwie kraftvoll an.

„Und jetzt fühle nacheinander die Gefühle und bekräftige jedes mit einem tiefen Atemzug. Du kannst es in das Symbol reinatmen.“

Ich mache wie er es sagt. Das fühlt sich nämlich echt gut an. Irgendwie vertraue ich ihm total.
„Genau so“ nickt der Mann.

Ich fühle Fröhlichkeit und atme sie ins Symbol hinein. Ich fühle mich beschwingt und atme das hinein, ich fühle mich reich beschenkt, atme es rein, fühle mich lustig und lachend, atme es ein und zuletzt fühle ich mich friedlich und atme das tief ein.

„Jetzt trete ein Stück zurück und lasse das Symbol dort hin, wo es hin will. Es darf sich irgendwo hin begeben und deine Wahl darf sich entfalten. So wie es für dich am Besten ist. Erwarte aber nichts.“

Ich lasse es einfach innerlich los und schaue zu, wie es sich in Bewegung setzt.

„Nachdem das Symbol sich jetzt dort hinbegeben hat, wo es hinwollte, kannst du noch etwas in deiner Landschaft herumgehen oder sitzen oder liegen. Schau dir an, ob sich inzwischen etwas verändert hat? Oder ob neue Töne oder Gerüche dazugekommen sind?

Wenn du dann willst, gehe durch diese Tür, (er zeigt auf eine nahe Türe, die ich vorhin gar nicht wahrgenommen habe) durch die du kamst zurück in dein Zimmer, lege dich ins Bett und schlafe wieder ein.

Ich danke dir, dass ich dir dieses Geschenk machen durfte.“

Der nette Mann verbeugt sich vor mir und es macht „puff“ und er ist spurlos verschwunden.
Ich mache, was er vorgeschlagen hat, bis ich wieder durch die Türe in mein Zimmer gehe, mich in mein Bett lege und einschlafe.

Als ich aufwache, weiß ich sofort: heute ist Weihnachten!!!
Der Traum (war es einer? Es hat sich so real angefühlt!!!) kommt mir in den Sinn.
Es liegen frisch duftende Plätzchen neben meinem Bett. Ich denke an diesen wundersamen Mann in dieser wundersamen Landschaft. Und als ich die Plätzchen anschaue, muss ich grinsen: sie sind kreisrund, quadratisch, dreieckig und linienförmig. Doch kein Traum????

Ich springe auf, ziehe mich an und bin voller Neugierde, was der Tag wohl bringt. Als ich die Türe öffne, höre ich meine Mutter schon aus der Küche zetern: „Ich schaff das nicht, es ist wie immer. Weihnachten raubt mir noch den letzten Nerv!!! Kommt endlich jemand um mir zu helfen?“
Ich muss lachen. Schlendere in die Küche, setze mich in aller Ruhe an den Tisch und schenke mir einen Kakao ein, grinse meine Mutter friedlich an und sage: „Fröhliche Weihnachten!!!“
Und bin froh, dass ich meine Gefühle für heute selbst gewählt habe!

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